Konzeption unserer Therapie- und Lebensgemeinschaft





Zur Gruppe der Erwachsenen mit autistischen Verhaltensweisen

Was genau unter „Autismus“ verstanden wird und wie dessen Entstehung erklärt werden kann - dies ist auch in der Fachliteratur nicht eindeutig geklärt. Übereinstimmend wird dort jedoch dann von „autistischem Verhalten“ gesprochen, wenn folgende Verhaltensweisen zusammentreffen:

  • eingeschränkte Aufnahme mitmenschlicher Beziehung und sozialer Kontakte

  • verzögerte und gestörte Sprachentwicklung

  • ritualisiertes, zwanghaftes Verhalten

  • heftige Widerstände gegenüber Veränderungen und Anforderungen

  • selbst- und fremdverletzendes Verhalten, verschiedenste Formen aggressiver Verhaltensweisen

  • motorische Unruhezustände, Störung des Schlaf- und Wachrhythmus

Große Institutionen, häufiger Betreuerwechsel, unüberschaubare Abläufe innerhalb der alltäglichen Lebenssituation, sowie wenig Freiheit und Unterstützung in der Gestaltung persönlicher Bedürfnisse führen oft zu schweren Krisen, auf die herkömmliche Heime bisher nur mit Abgabe an die Psychiatrie reagieren.

Für geistig behinderte und autistische Menschen, die in aggressive oder autoaggressive Krisen geraten, gibt es bislang kaum angemessene „Orte zum Leben“. Als meist einziger, alternativeloser Ausweg bleibt ihnen der Aufenthalt in psychiatrischen Einrichtungen. Ihre Behandlung beschränkt sich dort weitgehend auf Ruhigstellung durch Psychopharmaka, oftmals auch auf körperliche Fixierungen, z.T. vielleicht auch auf den Einsatz verhaltenstherapeutischer Verfahren.

Aufgenommen haben wir im Laufe der vier Jahre eben nicht „Pestalozzis Waisenkinder“ noch Makarenkos „jugendliche Rechtsbrecher“, es sind auch nicht Redl's doch eher intelligente „Kinder, die hassen“ (Redl/Winemann1979).

Vielmehr haben wir Erwachsene aufgenommen, die schwerst geistig behindert oder schwerst autistisch behindert sind. Es ist festzustellen, daß unsere acht behinderten Menschen eben nicht scharf zu fassen sind in solchen Behinderungsbildern wie „Autismus“ oder „Down Syndrom“.

Geistige Behinderung kann bei dieser Gruppe nicht besser bezeichnet werden als durch die verlegene und ratlose administrative Bezeichnung „frühkindlicher Hirnschaden unklarer Genese“ - zutreffender ist aus unserer langjährigen Erfahrung mit diesen Menschen folgende Beschreibung.

Die Behinderten unserer Einrichtung und diejenigen für die wir ein zweites Haus gründen wollen, sind die Gruppe von Menschen für die vor der Aufnahme in unsere Einrichtung niemand da war, für die keine Einrichtung zuständig war. Sie befanden sich fehlplaziert in Altenpflegeheimen oder psychiatrischen Langzeiteinrichtungen als der „harte Kern“. Letztlich ist Ihnen nicht nur der Zugang zu pädagogischen und heilpädagogischen Einrichtungen verwehrt, sondern auch die Möglichkeit einer fundierten Psychotherapie: die gängigen „Instrumentarien“ psychotherapeutischer Verfahren reichen bislang nicht aus, um die Betreffenden therapeutisch erreichen zu können.

Dabei handelt es sich nach jahrelanger und intensiver Betreuung in unserer Einrichtung um Menschen, die bei meist körperlich und sexuell gesunder Entwicklung neben einer meist nur diffus zu erfassenden geistigen und autistischen Behinderung, psychisch sich immer mehr stabilisieren. Aggressive und vor allem autoaggressive Verhaltensweisen werden mit zunehmenden Alter und intensiver Betreuung sowie pädagogischer Behandlung in unserer Einrichtung ohne Medikamente vollkommen abgebaut.




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