Praxisberichte vier autistischer und vier geistig behinderter Menschen





Tabellarische Daten eines autistischen Mannes mit starkem Rückzugsverhalten



  • Diagnose
    Frühkindliche Hirnschädigung mit autistischen Störungen, Störung der Feinmotorik

  • Geboren am 20.08.1967

  • Im Kleinkindalter fehlende Reaktionen auf Ansprache, kein Blickkontakt, kein Laufen, keine Sprachanbahnung, Ablehnung von Körperkontakt

  • bis Januar 1970
    Kinderarzt
    Überwiesen vom Kinderarzt an eine Nervenärztin

  • Februar 1970
    Vorstellung bei einem Diplom-Psychologen

  • März 1970
    Überweisung in eine Kinderklinik

  • Januar 1971
    erneute Vorstellung in der Kinderklinik
    Von der Kinderklinik Überweisung an einen Hals-Nasen-Ohrenarzt, der eine Hörprüfung vornehmen soll

  • Februar 1971
    Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohrenarzt, der eine Überweisung an die Düsseldorfer Klinik - Abteilung Kinderaudiologie - ausstellt.

  • März 1971
    Vorstellung in der Klinik Düsseldorf
    Termin für eine Hörprüfung unter Narkose im Mai 1971

  • 18. Mai 1971
    Hörprüfung
    Ergebnis: Mittelgradige Schwerhörigkeit wird festgestellt, Hörgerät soll getragen werden

  • September 1971
    Kindergartenuntersuchung im Gesundheitsamt. Es wird zur weiteren Fortbildung des Kindes empfohlen, die Schule für Schwerhörige und Gehörlose in Wuppertal aufzusuchen

  • Oktober 1971
    Termin in der Schwerhörigenschule in Wuppertal, in einem Test wird festgestellt, daß von einer mittelgradigen Schwerhörigkeit nicht gesprochen werden kann, da das Kind sogar auf Flüstersprache reagiert. Man schlägt vor nochmals ein EEG machen zu lassen und zwar in der Kinderklinik in Wuppertal.

  • November 1971
    EEG in der Kinderklinik Wuppertal. Das EEG war ohne Befund, jedoch Rückfrage bei der Klinik in Düsseldorf mit der Bitte um Überprüfung der Bedenken, Rückantwort: Das bisherige Ergebnis würde in Ordnung gehen. Darauf eine Empfehlung der Klinik Wuppertal zur Frühsprachenerziehung in der Schwerhörigenschule in Düsseldorf
    .

  • Dezember 1971
    Zusage der Schwerhörigenschule in Düsseldorf bis August 1972 einmal wöchentlich eine Sprachtherapie durchzuführen

  • August 1972
    Aufnahme in den Kindergarten der Schwerhörigenschule in Düsseldorf

  • Januar 1973
    psychomotorisches Gruppenturnen im Förderzentrum für körperbehinderte Kinder in Düsseldorf, da eine Störung in der Feinmotorik erkannt wird

  • September 1973
    Aufnahme in der Vorschulklasse der Schwerhörigenschule, dort macht das Kind nur kleine Fortschritte, so daß eine Einschulung nach einem Jahr noch nicht in Frage kommt.

  • September 1975
    Besuch der Schule für Lernbehinderte in Langenfeld, Untersuchung im Kinderzentrum in München

  • 14.06.1977
    Auftreten eines Krampfanfalles in der Schule, Einlieferung in die Lukasklinik in Solingen, 2-wöchiger Aufenthalt

  • 10.08.1978
    Einschulung in eine Schule für Behinderte in Wuppertal

  • 1985
    Unterbringung in einer Einrichtung für autistisch Erwachsene

  • 1994
    Wechsel in unsere Einrichtung , starkes Rückzugsverhalten, sehr aufs Bett orientierter Mann, keinen Kontakt zur Gemeinschaft, starke Fixierung auf die Mitarbeiter, in Einzelsituation ansprechbar und zu Antworten in der Lage, Besuch einer Behindertenwerkstatt, arbeitet heute im Holzbereich, kontaktfreudig, autistische Züge nur noch bei fremden Personen zu erkennen, innerhalb der Gemeinschaft voll integriert, hatte eine Liebesbeziehung zu einer leicht geistig behinderten Frau, was jedoch vor kurzem in die Brüche ging. Sprache und Feinmotorik hat sich nun normal entwickelt, so daß keine Anomalien mehr feststellbar sind. Der autistisch Behinderte spricht heute teilweise über sein übersensibles Körperempfinden, was bei normalen Berührungen einem Schmerzempfinden gleichkommt. Nimmt an allen Veranstaltungen des gesellschaftlichen Lebens in Begleitung ohne Schwierigkeiten teil.


[Startseite] [Konzeption] [Praxisberichte] [Haus Halver] [Interview] [Forum] [Email]