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Praxisberichte vier autistischer und vier geistig behinderter Menschen |
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Bei einer anderen jungen Frau in unserer Einrichtung handelt es sich neben der geistigen Behinderung auch noch um das Krankheitsbild der Fettsucht (Prader Willi Syndrom) mit schweren hysterischen Zügen. Die Frau im Alter von 26 Jahren kam aufgrund einer Anfrage im Jahre 1992 in unsere Einrichtung. Zu diesem Zeitpunkt litt sie trotz einer operativ gelegten Magenverengung unter dem lebensbedrohlichen Übergewicht von 148 kg bei einer Körpergröße von 146 cm. Zur Familiengeschichte können wir folgendes berichten: Unsere Betreute war das erste gemeinsame Kind der Eheleute, wobei die Mutter aus einer früheren Ehe einen Sohn mitbrachte. Die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. Nach der Geburt wurde eine Encephalitis sowie eine Hirnblutung festgestellt. Sowohl das Gehen als auch die Sprachentwicklung sind verzögert aufgetreten. Anfangs war sie untergewichtig gewesen, seit dem dritten Lebensjahr bekam sie Übergewicht. Zum Zwecke der Gewichtsreduzierung wurde sie mehrmals erfolglos in Krankenhäusern behandelt. Zum Lebenslauf können wir berichten, daß unsere Betreute vom 4-7 Lebensjahr den Kindergarten eines Kuratoriums besuchte und dann in die Schule für Körperbehinderte eingeschult wurde. Nach ihrer Schulzeit besuchte sie die Werkstätten für Behinderte, wo sie auch heute noch ihren Arbeitsplatz hat. Zu unseren bisherigen betreuerischen und pädagogischen Maßnahmen können wir nun folgendes sagen: Die Betreute litt und leidet auch heute noch unter den Erlebnissen im Elternhaus. Sowohl von seiten der Eltern als auch von ihrer kam es zu körperlichen Aggressionen und Schlägen. Sie schildert die Ehe als sehr zerstritten. Auseinandersetzungen um die Verhaltensweisen der Tochter fanden häufig unter Alkoholeinfluß statt. Die Eltern vermittelten ihr die Schuld an ihrer Fettsucht und anderen schwierigen Verhaltensweisen, sowie darüberhinaus auch die Schuld an den Problemen der eigenen Ehe. Die Mutter befand sich in der Vergangenheit wegen eines Suizidversuches in einer Stiftung. Auch dies wurde von unserer Betreuten als eigenes Versagen mit tiefen Schuldgefühlen erlebt. Sie mußte vollkommen hilflos miterleben, daß ihre Mutter die gesamte Familie mit ihrer psychischen Krankheit beherrschte. Insofern deuteten wir, daß mehrere Familienprobleme an unsere Betreute delegiert wurden, die sie vollkommen überforderten. Sie vermißte zu Hause die notwendige Zuwendung, um ihre eigenen entwicklungsbedingten Schwierigkeiten zu überwinden. Sie spürte, daß ihre Eltern damit überfordert waren Ihr genügend Liebe geben zu können. In der Sucht nach Essen und nach Süßigkeiten steckt die Ersatzbefriedigung auf oraler Ebene für die vergebliche Suche nach der guten Familie, die sie vorbehaltlos lieben würde und sie vollkommen annimmt ohne ihr Selbstgefühl zu zerstören. Um in der o.g. Problematik pädagogisch zu helfen, bedurfte es einer Trennung aus dem Elternhaus, die allmählich und behutsam vollzogen werden mußte. Um eine stabile Trennung zu erreichen, mußten wir auch die Eltern durch Gespräche begleiten. Inhalt dieser Besprechungen war das Aufarbeiten von Schuldgefühlen und Versagungsvorwürfen beider Elternteile. Darüberhinaus war es sehr wichtig den Eltern gegenüber Kompetenz zu zeigen, so daß über die fachliche Erörterung Vertrauen in die Förderung ihrer Tochter entstehen konnte. Zugleich benötigte die Frau eine strenge und liebevolle Betreuung, die sie vor den lebensbedrohlichen Folgen ihres suchthaften Eßverhaltens schützte. Dieses pädagogische Verhalten erzeugte natürlich und verständlicherweise Wut und Aggressivität. Desweiteren war auch keine Einsicht in ihr krankhaftes Eßverhalten zu erlangen. Diese Situation der Kontrolle versuchte sie durch ein lügenhaftes Schildern der Situation bei den Eltern zu verhindern (sie werde bei uns falsch behandelt). Um ein fehlerhaftes Einmischen der Eltern zu verhindern mußte die wöchentliche Einbeziehung der Eltern in Gesprächen stattfinden. Weiterhin mußten wir der Behinderten und ihren Eltern demonstrieren, daß wir durch Unwahrheiten und aggressive Ausbrüche in keinster Weise überfordert wurden. Zur Zeit hat die Frau ein stabiles Gewicht von 95-98kg Heute ist immer noch Suchtverhalten da, jedoch ist sie zur Kooperation insoweit bereit, als aggressive und hysterische Anfälle nicht mehr so häufig auftreten und in Gesprächen auch Verständnis für unsere Maßnahme der Gewichtskontrolle geäußert wird. Würde die Frau außerhalb unserer Einrichtung leben, wäre eine sofortige rapide Gewichtszunahme der Fall. In den Gruppensituationen zeigte sich nach anfänglichem freundlichen Verhalten immer öfter eine Persönlichkeit mit übersteigertem Geltungsdrang, der Realität nicht entsprechende Einschätzung der eigenen Fähigkeiten bis hin zur Hochstapelei, eine ungemein reizbare und unkontrollierbare launische Empfindsamkeit. Sie drängte sich immer wieder in den Vordergrund, will die erste Geige spielen. Auf sachlich und ruhig vorgetragene Kritik ihrer Mitbewohner reagiert sie heute noch unter Umständen mit Geschrei und geht ihrerseits mit körperlicher Gewalt auf den anderen los. Diese Verhaltensweise läßt sich durch ein mangelndes Selbstwertgefühl verstehen. Eine besondere Form ihrer Aggression ist die Intrige. Bei uns oder den behinderten Mitbewohnern sucht sie sich in aller Regel Gleichgeschlechtliche regelrecht aus um sie dann bei den Anderen Schlecht zu machen, andere Mitbewohner zu strafendem und seelisch verletzendem Verhalten aufzuhetzen. Darüberhinaus erteilen wir regelmäßigen Unterricht in Form von Lesen, Rechnen und Schreiben, um auf konstruktive Weise ihrem Geltungsbedürfnis nachzukommen, und ihr Selbstwertgefühl durch erworbenes Wissen und Können zu stärken.
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